Die meisten Deutschen und Europäer haben immer noch eine starke emotionale Bindung zu ihrem Automobil. Aber warum ist das so? Ein in Florenz durchgeführtes Experiment einer italienischen Forschergruppe versucht das Entscheidungsverhalten von Konsumenten

mit Hilfe eines Spiels zu erklären: in den meisten Fällen entscheiden sich Konsumenten für den Kauf bzw. für die Benutzung eines Automobils, obwohl öffentliche Verkehrsmittel aufgrund von Anbindung, Zeitersparnis oder Kosten nützlicher für sie wären. Der ‚Auto-Effekt erklärt, warum so viele Menschen mit dem Auto fahren, obwohl es bessere Alternativen gibt.

Das Automobil gewinnt – obwohl es teurer ist.

Menschen entscheiden nicht immer rational, besonders wenn es um die Wahl des Verkehrsmittels geht. Statt alle Verkehrsmittel zu berücksichtigen und das auszuwählen, was am meisten Zeit und Kosten spart, möchten die meisten der Menschen lieber selber fahren – auch wenn es nicht die beste Alternative darstellt.

Die Wissenschaftler untersuchten eine Gruppe von Probanden, die ein Spiel mit einem bestimmten Spielgeldbestand anfingen und sich in diesem Spiel zwischen zwei Reisemöglichkeiten – Metro oder Auto – unter Berücksichtung der jeweiligen Reisekosten und der Reisezeit entscheiden mussten. Die (realitätsnahe) Besonderheit hierbei war, dass die Kosten für die Metro fix waren, die des Automobils aber variierten aufgrund von Wetter, Events, Unfällen oder Bauarbeiten auf der Strecke. Zudem wurden die Kosten für das Automobil aufgrund der Spieleigenschaft „Verkehr“, die davon abhing, wie viele Spieler sich gleichzeitig für das Auto entscheiden, beeinflusst.

In den besten Szenarien waren die Reisekosten mit dem Auto niedriger, weil es (in dem Fall des Experimentes) die schnellste Art zu reisen war, doch als der Verkehr einen gewissen Peak erreichte hatte, war das Reisen mit der U-Bahn günstiger. Nach jeder der fünfzig Spielrunden erhielten die Teilnehmer Feedback über ihre bisherige Performance und konnten wieder neu entscheiden. Mit der Zeit erwarteten die Forscher, dass die Probanden aus ihren Fehlern lernten, denn für ihre Leistung gab es einen echten finanziellen Anreiz. Nach dem ersten Experiment mit fünfzig Spielrunden tauschten die Forscher die Option ‚U-Bahn’ gegen den Busverkehr aus, doch in jedem Spiel war die Nutzungsrate des Automobils bei oder deutlich über 55 Prozent – und das, obwohl die durchschnittlichen Kosten für das Auto ungefähr 50 Prozent höher waren als die der Metro. Auch bei dem Spiel mit der Bus-Alternative waren ähnliche Werte für das Automobil das Ergebnis.

Die Wahl des Verkehrsmittels hängt also stark von Vorurteilen und einfachen Entscheidungsregeln ab.

Die Wahl des Verkehrsmittels ist oft emotional begründet

Wenn man zusätzlich noch beachtet, dass die Spieler diese Entscheidungen nur ‚theoretisch’ ausführen mussten und nicht einmal die U-Bahn, den Bus oder das Auto physisch nahmen, ist das Ergebnis noch eindrucksvoller. Einmal in einem theoretischen Abbild der Realität ohne irgendeine physische Aktion konnten die Versuchspersonen ihren Hang zum Automobil nicht leugnen. 

Wenn es also um das Fahren eines Autos geht, wird offensichtlich das logische und rational denkende Verständnis abgeschaltet – zumindest bei der Mehrheit der Menschheit.

Natürlich ist dieses Spiel nicht das perfekte Abbild aller alltäglichen Entscheidungen, aber es unterstreicht auf jeden Fall den Hang zum Automobil.

Kannst Du dieses Ergebnis nachvollziehen und würdest Du auch lieber mit dem Auto zur Arbeit fahren und nicht mit dem Bus?

 


Benjamin Brodbeck Publicist Automativ Guest Blogger BARE InternationalAutor: Benjamin Brodbeck @automativ

Benjamin Brodbeck ist 24 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.


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